Heute Morgen war der Aufbruch nach El Jadida. Mein Motorrad habe ich dazu erstmal aus der Tiefgarage direkt an der Medina geholt. Am Morgen hatte ich das 2. Tiefgeschoss komplett für mich alleine – der Wachmann hat oben auf einer Bank geschlafen:

Bis El Jadida von Rabat sind das ungefähr 190 km. Da wollte ich mir die Autobahn schenken. Unterwegs gab es eine Szenerie, bei der ich mir so dachte: Jau, das sieht jetzt irgendwie so aus, wie ich mir Afrika vorstellen würde, die Bäume, der Boden, ein paar knorrige Stromleitungen, irgendwie so:

Unterwegs bei Casablanca habe ich eine kurze Pause bei McDoof gemacht. Die hatten offensichtlich eine Katze angestellt, die wunderbar zum Boden und den braunen Tischen und Stühlen passte:

Wie schon geschrieben, Katzen gibt es hier ziemlich viele. Interessanterweise sind die aber alle irgendwie relativ klein. Aber Anstellung ist noch ein gutes Stichwort. Vor dem McDoof saßen ein ganzes Rudel Jugendlicher oder zumindest jüngerer Marokkaner (McDoof hat erst um 11 Uhr aufgemacht, marrokanische 11 Uhr, also 11:16 Uhr oder so). Mit dem Ramadan nimmt es die jüngere Generation wohl auch nicht mehr so sonderlich genau, wenn ich mir so den Andrang anschaue. Tja von wegen, die haben alle für ein Vorstellungsgespräch da gesessen. Das waren locker 15 Leute, für einen Job bei McDoof, das ist schon etwas hart.
Insgesamt war die Strecke aber nicht sonderlich nett oder spannend. Es ging relativ viel gerade aus, durch einen Kreisel und dann wieder gerade aus. Sobald es in Ortschaften oder kleine Städte ging, brach wieder das übliche Verkehrschaos aus. Gleichzeitig ist mir wieder aufgefallen, wie heftig die Abgase und der Rauch von einem Feuerchen hier und einem Feuerchen da ist. Dagegen ist eine deutsche Großstadt im Feierabendverkehr vermutlich ein Luftkurort.
Für El Jadida hatte ich mir bereits in Rabat ein Zimmer / eine Suite in einem Hotel gebucht. Nach etwas Suche habe ich das dann auch gefunden. Und wieder einmal ganz nett erwischt:

Der Innenbereich / die Gallerie oder wie man das nennen mag, ist auch ganz nett:

3. Stock … aber zum Glück gibt es einen Aufzug. Vom Hotel aus bin ich dann zum Portugiesen Viertel gelaufen, dass relativ in der Nähe liegt. Hier wollte ich etwas rumlaufen und mir die so angepriesene Zisterne anschauen. Letztere war leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen – irgendwas ist irgendwo runtergebrochen, wenn ich das Französische richtig verstanden habe. Schade. So gab es einen Streifzug durch das besagte Viertel und nochmal eine Runde oben auf der Mauer rundherum:


Anschließend bin ich dann noch so etwas durch die Stadt gelaufen. Hier mal ein wenig Impression vom Getummel:

Gerade auf dem unteren Foto (oben) muss man sich vor allem auf der linken Seite, wo es dann richtig voll wird, ganz viel Gehupte und Theater vorstellen. Dazu habe ich auf meinem Streifzug zwei lautstarke Meinungsaustausche mitten auf der Kreuzung verfolgen können. Hierzu wurde natürlich ebenso mitten auf der Kreuzung ausgestiegen. Worum es in den beiden Fällen jeweils ging, habe ich nicht verstanden. Ganz offensichtlich waren die Meinungen aber jeweils abweichend. Und damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Der erste Dissenz fand zwischen zwei Männern statt, der zweite zwischen zwei Frauen. Da sind wir ganz emanzipiert!
Hier noch ein paar Impressionen von unterwegs. Die Uhrzeit unten passt – und das Mädchen nimmt Anlauf, um möglichst hoch auf die Schräge der Sonnenuhr zu kommen.

Und hier habe ich noch zwei Kollegen unterwegs gesehen, die hier (in Marokko) häufiger durch die Gegend fahren. Wahlweise zum Transport von Dingen oder eben Personen:

Ansonsten gibt es hier fahrzeugtechnisch aber alles, vom dicken Porsche bis zum Dacia. Letztere scheinen häufig das Fahrzeug der Wahl für Taxis zu sein. Das Bild des alten Mercedes Benz als Taxi habe ich bisher kaum gesehen – gibt es aber immernoch.
Zum Thema Verkehr noch eine gute und eine schlechte Seite: Es gibt viele Zebrastreifen, die aber vollkommen irrelevant sind. Wer auf die Idee kommt, an so einem Streifen ernsthaft einfach so über die Straße gehen zu wollen, spielt mit dem Leben. Da hält niemand an. Das war die schlechte Nachricht. Die Gute: Man geht einfach da, wo gerade kein Auto kommt, vollkommen egal wo oder wie. Aber immerhin: Ampeln für Autos werden (in der Regel) befolgt. Aber auch hier: Erst gucken, dann fahren. Und wer nicht innerhalb kürzester Zeit auf die grüne Ampel reagiert, hat direkt ein kleines Hupkonzert hinter sich.
Das waren soweit die Eindrücke von heute. Morgen geht es weiter nach Essaouira. Von dort geht es dann ins Landesinnere zu meiner ersten Querung des Atlasgebirge.
Und jetzt bin ich erstmal wieder raus!