Ich möchte hier jetzt keinen großen Moralapostel spielen. Überhaupt zeigt sich für mich auch im Themenbereich Klimawandel, wie wir scheinbar in einer Gesellschaft leben, die zumindest in der Breite mehr und mehr Züge einer bipolaren oder meinetwegen auch Borderline-Störung aufweist. Vieles geschieht nur noch in Extremen. Richtig und Falsch bzw. Falsch und Richtig. Je nachdem auf welcher Seite man gerade steht.
Sich einen Moment zu nehmen und vielleicht einen etwas differenzierteren Eindruck zu bekommen, ist scheinbar irgendwie aus der Mode zu kommen.
Liegt das an Überforderung? Immerhin steigt mit jedem Tag der Umfang an Informationen, der jedem einzelnen Menschen unmittelbar, einfach und quasi kostenlos zur Verfügung steht. Das ist quasi eine Art Bombardement mit Input. Irgendwann eine Reizüberflutung erreicht. Vielleicht führt das zu einer Art Gesellschaftsautismus. Mit wenig Inselbegabung.
Liegt es an purer Faulheit? Immerhin ist eine differenzierte Betrachtung anstrengend. Einerseits bedarf sie Aufwand, Recherche, Hinterfragen etc. Andererseits bedarf sie der Fähigkeit, ein gewisses Maß an Unklarheit und Unbestimmtheit auszuhalten. Anzuerkennen, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist, dass man selber eben nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen hat, macht das Leben sicherlich umbequemer und nicht einfacher.
Oder ist es einfach ein gesellschaftliches Massenphänomen? Immerhin leben wir ja auch mehr und mehr in einer Feedbackgesellschaft. Vor allem geprägt durch externes Feedback. Die vermeintlich sozialen Medien generieren externe Bestätigung in einem zumindest mit Blick auf die Menschheit nie dagewesenen Ausmaß. Wenn man was mit den Stichwörtern intrinsischer und extrinsischer Motivation anfangen kann, ist das eher Essig. Daraus wird ja auch ganz schnell eine Art Abhängigkeit. Sich dann in der Gruppe gegenseitig zu feiern ist vielleicht einfacher, als sich vor den Spiegel zu stellen, selber zu kritisieren und damit auch hier und da mal selber auf die Schulter zu klopfen.
Aber sei es wie es sei. Das mit dem Moralisieren wollte ich ja lassen. Von diesem ganzen Greta Thunberg Hype halte ich nicht sonderlich viel. Aus einem einzigen Menschen so eine Art neuen Messias zu machen, zudem mit gerade einmal 16 Jahren, schafft ja nur Projektionsfläche. In die eine oder andere Richtung. Und das ist eigentlich unpassend und unfair. Sowohl gegenüber dem, worum es geht, als auch gegenüber einem einzelnen Menschen.
Wenn man sich aber einmal etwas mit dem Thema Erderwärmung auseinander setzt, kann aus meiner Sicht ein zumindest partiell rational denkender Mensch nicht umhinkommen, den aktuellen Pfad zu erkennen. Wie schnell der abgeschritten wird, darüber kann man sich sicherlich streiten. Welche Auswirkung welches Grad Erwärmung hat, auch das ist diskutierbar. Nahezu sicher ist aber sicherlich – sofern man auf den wissenschaftlichen Konsens vertraut:
- Es wird wärmer auf der Erde.
- Vom Status Quo ausgehend ist eine Erwärmung in ihren Effekten für uns Menschen netto gesehen negativ.
- Wir Menschen sind Hauptverursacher der aktuellen Erwärmung.
Das ist eigentlich ganz einfach und nicht sonderlich kompliziert. Wir stehen quasi mit einem Kanister Wasser in der Wüste, haben aktuell keinen Zugang zu weiterem Wasser und wissen leider auch nicht so genau, wie viel Wasser in dem Kanister selbst noch übrig ist. Statt zu überlegen, wie wir die aktuelle Situation verändern können, streiten wir lieber darüber, wie viel Wasser denn wohl noch da ist oder – während uns die Schweißperlen auf der Stirn stehen – sogar darüber, dass wir ja eigentlich gar nicht in einer Wüste stehen. Fata Morgana oder so, keine Ahnung.
Zwar kann ich an dem ganzen Blödsinn selber nicht sonderlich viel ändern, jedoch kann ich schauen, inwieweit ich einen “eigenen Beitrag leiste”, wie man so schön sagt. Daher möchte ich meine Reise wenn auch nicht klimaneutral, so doch in ihren Auswirkungen reduziert unternehmen.
Hierzu habe ich mir drei Bereiche angeschaut und konzentriere mich auf CO2:
1. Mein Flug nach Chile
2. Der Transport des Panzers
3. Die Fahrt vor Ort
Flug nach Chile
Über die folgende Seite habe ich mir einmal meine CO2 Emission berechnet:
https://www.atmosfair.de/de/kompensieren/flug
Von Hannover nach London, Buenos Aires und schließlich Santiago de Chile liegt meine CO2 Emission bei ca. 3800 kg. Davon stehen ca. 1300 für direkte Emissionen und der Rest für indirekte Effekte wie Kondensstreifen (genau, die Chemtrails …), Ozonbildung etc.
Transport des Panzers
Der Transport erfolgt ja mit einem Containerschiff. Für die CO2 Emission findet man einen Wert, der bei ca. 15,1 g pro km pro Tonne liegt. Dazu habe ich mir die Entfernung von Hamburg runter nach San Antonio berechnet. Das sind ungefähr 15.000 km. Als Gewicht veranschlage ich mal eine halbe Tonne, d.h. der Panzer und ein Aufschlag für das anteilige Containergewicht etc.
Damit lande ich für den Transport bei (15,1 * 15.000 * 0,5) / 1000 = 114 kg (aufgerundet).
Die Fahrt vor Ort
Laut Papieren hat mein Panzer eine CO2 Emission von 115 g pro km. Einerseits werde ich nicht mit Maximalgeschwindigkeit durch die Pampa rasen. Andererseits stimmen diese Werte ja eh nie wirklich, zudem habe ich gut Gepäck dabei. Daher packe ich da mal einen Aufschlag von 50% drauf, sodass ich bei 172,5 g pro km lande.
Für meine ersten 10.000 km sind das also 1725 kg.
In Summe lande ich daher bei 3800 kg + 114 kg + 1725 kg = 5639 kg. Da packe ich nochmal einen 25% Sicherheitsaufschlag drauf – da ich ja neben Finanzdödel auch ein halber Ingenieur bin 😉 – und lande bei ungefähr 7 Tonnen CO2.
Jetzt gibt es verschiedene Anbieter, durch die man seine CO2 Emissionen partiell kompensieren kann. Sei es durch Maßnahmen, die CO2 an anderer Stelle entsprechend reduzieren oder beispielsweise auch durch dauerhafte Aufforstungen. Stiftung Warentest hat hier im letzten Jahr ein paar Anbieter unter die Lupe genommen:
https://www.test.de/CO2-Kompensation-Diese-Anbieter-tun-am-meisten-fuer-den-Klimaschutz-5282502-0/
Ich habe mich hier letztlich für Atmosfair entschieden. Der Spaß kostet für 7 Tonnen CO2 dann schließlich 160 Euro. Wenn man sich überlegt, dass wir in Deutschland eine pro Kopf Emission von ca. 11 Tonnen haben und nach dem MCC für das 1,5 Grad Ziel noch ein pro Kopf Budget (verbleibendes Budget laut CO2 Uhr geteilt durch Menschen auf der Erde, https://www.mcc-berlin.net/forschung/co2-budget.html) von ca. 45 Tonnen haben, sind 160 Euro eigentlich ein Witz.
Genauso ist es aber auch ein Witz, wenn auch ein schlechter, dass der durchschnittliche Deutsche sein (theoretisches) Budget für das 1,5 Grad Ziel in etwas mehr als 4 Jahre aufgebraucht hat.
Aber wie gesagt: Vielleicht ist es mehr, vielleicht ist es weniger. Vielleicht sind 1,5 Grad noch nicht gravierend, vielleicht 2,0 Grad ebenso wenig. Wir werden sehen. Und ich gehe als alter Optimist davon aus: Ja, wir WERDEN das sehen.
Klar ist, um bei dem Bild mit dem Wasserkanister in der Wüste zu bleiben: Wenn das Wasser leer ist und keine Alternativen gefunden wurden, werden alle miteinander verdursten. Ganz egal, wer wie wo warum wann Recht oder Unrecht hatte.
Hihi, und jetzt habe ich doch ganz derbe moralisiert 😉
Anyway, haut rein!